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Energiemärkte

Marktbericht November 2019: Über Konflikte, Verhandlungen und das Wetter.

5. Dez. 2019

Zum Jahresende sind die meisten Commodities besinnlich gestimmt. Zur aktuellen Stunde schließen (fast) alle Commodities unterhalb ihrer Startnotierung von Anfang November. Saisonübliche Temperaturen, die fortwährende Auseinandersetzung zwischen China und den USA, aber auch die nicht enden wollenden Transitverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine beeinflussen die Märkte mal in die eine, mal in die andere Richtung. Zusätzlich sorgen die anstehenden Verhandlungen der OPEC-Plus-Staaten für Bewegung.

Ereignisreiche Tage stehen bevor.

Noch vor dem Jahreswechsel stehen – wie schon mehrfach angekündigt – wichtige Termine für die Energiemärkte an. Die OPEC tagt heute und morgen in Wien, um über die Fortführung der Förderkürzungen zu entscheiden. Im Gaskonflikt zwischen Russland und der Ukraine fällt am 9. Dezember in Paris der womöglich letzte Vorhang. Dann geht es Schlag auf Schlag: Aramco-Börsenstart am 11. Dezember, am Tag darauf finden die britischen Parlamentswahlen statt und zu guter Letzt soll es bis Mitte Dezember zu einer ersten Einigung zwischen Peking und Washington kommen. Allesamt Ereignisse, die die Energiemärkte in die eine oder andere Richtung lenken können.

Nord Stream 2: Fertigstellung verzögert sich weiter.

Wie bereits berichtet, hatte Dänemark im dritten Anlauf die letzte ausstehende Genehmigung für den Bau der Gasleitung durch seine Gewässer erteilt. Eine Einigung erfolgte jedoch nur, da Dänemark und Polen derzeit den Bau einer weiteren Gasleitung zur Versorgung Polens mit norwegischem Gas anstreben. Somit steht nun zumindest der Fertigstellung der Nord Stream 2 nichts mehr im Wege. Die Inbetriebnahme der rund 1.200 Kilometer langen Pipline, die das russische Wyborg über die Narwa-Bucht und durch die Ostsee mit dem deutschen Lubmin verbinden wird, soll sich vermutlich noch bis Ende 2020 hinziehen.

Die Pipeline führt durch die Ukraine, die Slowakei, Tschechien und Ungarn bis nach Deutschland und Österreich. Mit der Inbetriebnahme erhöhen sich die Transportkapazitäten für russisches Gas auf voraussichtlich 110 Milliarden Kubikmeter im Jahr. Das Gas wird in Deutschland angelandet und von dort aus nach ganz Europa verteilt. Neben der Fertigstellung der noch fehlenden Leitungsstränge, muss das gesamte Konstrukt vor der Inbetriebnahme noch auf Herz und Nieren geprüft werden – die Zeit hierfür wird jedoch langsam knapp.

Da der Ausgang der kürzlich erneut gescheiterten Transitverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine noch unklar ist, steht der Kreml mittlerweile mächtig unter Zeitdruck. Die Fronten sind verhärtet: Der ukrainische Gaskonzern Naftogas fordert u.a. eine längere Laufzeit des Transitvertrages, Gazprom hingegen sieht die von der Ukraine geplante Entflechtung von Netz und Vertrieb als unüberwindbare Hürde. Bei einem Scheitern der Verhandlungen droht Russland, den Gashahn ab 1. Januar um 10:00 Uhr abzudrehen. Die Forderungen und Eingeständnisse liegen noch zu weit auseinander. In Anbetracht des nahenden Normandie-Gipfel in Paris am 9. Dezember scheinen sich die Gespräche jedoch zu intensivieren. Ein erster Erfolg konnte am Dienstag erzielt werden, als man sich auf die Verlängerung des Öltransits in Richtung Europa für die nächsten zehn Jahre einigte. Dies lässt darauf hoffen, dass auch im Streit um die Gasdurchleitung noch die Möglichkeit einer Einigung besteht.

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