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Energiemärkte

Marktbericht Dezember 2019: Kontraktwechsel und geopolitische Risiken.

9. Jan. 2020

Die Tötung des iranischen Generals Qassem Soleimani durch einen Drohnenangriff der USA in der vergangenen Woche, gefolgt vom daraus resultierenden Gegenschlag der Iraner, sorgten bereits zu Jahresbeginn für einen turbulenten Auftakt. Für den „Showdown“ zum Jahresende hingegen sorgten Russland und Ukraine mit der Unterzeichnung des Transitabkommens bis Ende 2024 sowie die Jahres-Kontraktwechsel insbesondere bei Strom, Erdgas und den Emissionszertifikaten.

US-Präsident Donald Trump versetzte vor allem die Finanzmärkte am Jahresanfang in Feierlaune, indem er am Silvesterabend munter über einen ersten Teilerfolg im US-chinesischen Handelsstreit twittere: Am 15. Januar wolle er ein partielles Handelsabkommen zwischen den beiden Ländern im Weißen Haus unterzeichnen. Zuvor hatten die beiden Parteien sich auf ein Teilabkommen geeinigt und somit die geplanten Strafzölle zunächst ausgesetzt.

Dieser eigentlich positive Effekt für die Weltwirtschaft wurde mit dem tödlichen Angriff auf den iranischen General Qassem Soleimani kurzzeitig zunichte gemacht. Inzwischen hat sich die Situation wieder etwas beruhigt und die Zeichen stehen - Stand heute Mittag - auf Deeskalation. Zumindest für Erdöl wird die Entwicklung in diesem Konflikt in den kommenden Wochen spannend sein. Erdgas, bedingt durch die Nähe zu Erdöl, reagierte zwar auch mit Preisaufschlägen auf die Attacke in Bagdad, jedoch weniger ausgeprägt, da die fundamentale Bewertung der Commodity weiterhin stark ist.

In der Nacht zum vergangenen Freitag wurde ein US-Luftangriff auf die irakische Hauptstadt Bagdad durchgeführt, bei dem Soleimani getötet wurde. Auftakt für den Schwelbrand zwischen den beiden Ländern, der in der Tötung des Generals gipfelte, war laut New York Times ein Angriff am 27. Dezember im Irak, der durch iranisch-unterstütze schiitische Milizen durchgeführt und den Tod eines US-amerikanischen Unternehmers zur Folge hatte. Die amerikanische Regierung betonte, man habe Hinweise darauf gehabt, dass Soleimani weitere Attacken auf US-Diplomaten und Einsatzkräfte plane. Der Iran verurteilte den Angriff aufs Schärfste und sprach von einem „terroristischen Akt“, für den die USA „einen hohen Preis zahlen“ würden. Es handelt sich fraglos um ein ungewohnt radikales Vorgehen Washingtons: Das letzte Mal, dass die USA die Ermordung eines militärischen Führers befehligten, war 1943 während des Zweiten Weltkrieges und führte zur Tötung eines japanischen Admirals.

Der Schlagabtausch zwischen den beiden Parteien, der nach dem Anschlag folgte, versetzte nicht nur die Märkte, sondern die ganze Welt in Anspannung. Die Drohgebärden aus dem Iran und die verbalen Machtdemonstrationen aus Washington schürten Befürchtungen einer militärischen Eskalation im Nahen Osten. Die ersten greifbaren Reaktionen auf den Angriff kamen aus Bagdad: Das irakische Parlament hatte am Sonntag überraschenderweise für einen sofortigen Abzug der 5.000 dort eingesetzten US-Soldaten gestimmt. Unmittelbar danach kündigte das US-geführte Militärbündnis an, das Land zunächst nicht weiter im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat zu unterstützen.

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch folgte dann eine handfeste Reaktion aus Teheran, als iranische Revolutionsgarden zwei amerikanische Militärstützpunkte im Irak angriffen. Aus Washington hieß es, es habe keine menschlichen Verluste gegeben und Trump twitterte, es sei „alles gut“. CNN berichtete, es habe vor den Angriffen Warnungen aus dem Iran gegeben, so dass sich alle an den Stützpunkten befindlichen Soldaten frühzeitig in Schutzbunkern in Sicherheit bringen konnten. Sollte dies tatsächlich der angekündigte Vergeltungsschlag gewesen sein, fiel dieser vergleichsweise harmlos aus. Es wäre ein Zeichen dafür, dass der Iran keinerlei Interesse an einem offenen Konflikt mit den Amerikanern hat und deswegen ganz bewusst die niedrigste Eskalationsstufe wählt – man wahrt das Gesicht vor dem eigenen Volk, indem man handelt, vermeidet jedoch gleichzeitig, den großen Zorn des „Feindes“ heraufzubeschwören.

Für eine Deeskalation spricht auch die Fernsehansprache Donald Trumps am gestrigen Abend, in der er dem Iran zwar weitere Sanktionen ankündigte, jedoch vorerst keine weiteren militärischen Aktionen gegen das Land plane. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation in den kommenden Tagen und Wochen entwickelt. Außer Frage steht der Effekt auf den Preis für Erdöl: In den Tagen nach der Attacke auf Soleimani stieg dieser zunächst schlagartig um 3 $/bbl, beruhigte sich nach Trumps gestriger Ansprache jedoch wieder und liegt heute auf dem Niveau von vor dem Anschlag auf Soleimani.

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